Von Christchurch nach Dunedin

10. Februar, 16km

Nach nicht enden wollendem Flug landen wir um die Mittagszeit in Christchurch. Nachdem wir unsere Fahrräder ohne Beschädigung empfangen haben, machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt. Hier stoßen wir auf die erste Schwierigkeit: LINKSVERKEHR. Am ersten Kreisverkehr stehen uns die Schweißperlen auf der Stirn. Aber man gewöhnt sich schnell daran. Im Visitor Information Centre buchen wir noch eine Busfahrt nach Tekapo. Auf dem Campingplatz fallen wir dann tot ins Bett.

Kiwi-Biker, im Hintergrund die Kathedrale The Wizard erste Probefahrt Lake Tekapo mit der Church of the good Shepherd Seb und ich
11. Februar, 29km

Da unser Bus erst nachmittags abfährt, haben wir noch etwas Zeit, uns die Stadt anzusehen. Rund um den Cathedral Square pulsiert das typisch britische Leben. Sogar eine Art „Speaker´s Corner“ haben sie hier. Allen voran verkündet der „Wizard“ täglich jedem der es hören will seine Botschaft und sein Weltbild (...die Frauen sind an allem Übel dieser Welt Schuld...). Noch schnell eine Flasche Spiritus gekauft und es geht los nach Tekapo. Dort angekommen erwartet uns eine atemberaubende Landschaft. Inmitten brauner Berge liegt ein türkisfarbener See vor uns. Jetzt sind wir wirklich in Neuseeland.

12. Februar, 90km

Durch den Jetlag sind wir schon um vier Uhr morgens wach. Der erste Tourtag wartet. Wir gönnen uns einen kleinen Morgenspaziergang. Doch nach dem Frühstück geht es los in Richtung Twizel. Bis zum Lake Pukaki wollen wir nicht den Highway nehmen, wir fahren entlang des Tekapokanals. Es geht schnurgeradeaus durch eine weite Hochebene. Kein Mensch weit und breit. Und dann kommen die schneebedeckten Südalpen in Sicht. Am Lake Pukaki eröffnet sich ein grandioser Blick auf den Mt. Cook, zu unserem Glück ohne Wolken. In Twizel treffen wir einen Deutschen, der schon über Asien nach Neuseeland geradelt ist, er ist schon anderthalb Jahre unterwegs. In sengender Hitze nehmen wir die letzten Kilometer bis Omarama in Angriff. Der Asphalt flimmert. Kurz vor dem Ziel macht uns heftiger Gegenwind das Fahren schwer. Omarama ist ein Zentrum für Segelflieger, wie wir später erfahren. Dann hält uns noch ein Polizist an, weil wir ohne Helm fahren. Zum Glück bleibt es bei einer Ermahnung, sonst würde das Bußgeld $40 betragen.

am Tekapo Kanal
Lake Pukaki und die Alpen
Mt. Cook
13. Februar, 93km

Wir verlassen Omarama und wollen entlang des Waitaki Rivers nach Duntroon fahren. Die Strecke passiert einige Stauseen, die einen bedeutenden Anteil an der neuseeländischen Energiegewinnung haben. Es ist gutes Wetter und wir erreichen schnell Lake Benmore, den größten Stausee. Ein kleiner Anstieg und wir rollen hinunter zum Lake Aviemore, der leuchtend blau vor uns schimmert. Hier machen wir auch gleich eine Rast. Leider fängt jetzt ein ziemlich starker Gegenwind an, so dass wir uns mehr anstrengen müssen, um vorwärts zu kommen. In Kurow gönnen wir uns in einem Tearoom eine ordentliche Portion Fish and Chips. Es ist mittlerweile sehr heiß geworden und das Essen liegt schwer im Magen. Die Landschaft ist nun eher langweilig, es gibt hier viele Obstplantagen, wo man Früchte aller Art kaufen kann. In Duntroon machen wir uns dann auf die Suche nach dem Campingplatz, aber wir finden keinen. Also werfen wir unseren ganzen Routenplan bis Dunedin über den Haufen, denn eigentlich wollten wir über Oamaru fahren und dann die Küste entlang nach Süden. So aber entschließen wir uns, zum 16km entfernten Danseys Pass Holiday Camp zu fahren. Diese Entscheidung ist die bessere, wie die nächsten Tage zeigen sollten.

Waitaki River
Lake Aviemore
14. Februar, 51km

Heute soll es also passieren, der Danseys Pass. Laut unserem Reiseführer 930m hoch und nur grober Schotterbelag. Nach nur sehr wenigen Kilometern kommt auch schon der erste Anstieg, und der hat es in sich. Danach ist es wellig. Unser Problem ist nur, dass wir nicht wissen, wie weit die Passspitze entfernt ist. Nach einem weiteren Anstieg rollen wir eine längere Abfahrt herunter und hoffen, es geschafft zu haben. Aber Fehlanzeige, an den Bächen sehen wir, dass es noch aufwärts geht. Langsam wird es immer steiler. An einer schönen Stelle machen wir eine längere Rast und schlagen uns den Bauch noch richtig voll. Das werden wir noch bereuen, denn die nächsten Kilometer gehen sehr steil aufwärts. Dazu kommt die Mittagshitze. Abwechselnd schiebend und fahrend erreichen wir den Pass. Dort stellen wir fest, dass bei Sebastian alle Speichen hinten lose sind. Nach der Reparatur rasen wir 10km steil bergab nach Kyeburn Diggings. Im dortigen Goldgräberhotel machen sie extra die Küche für uns auf und wir essen „3-Dollar-Chips“. Danach geht es über einige kurze, aber steile Hügel nach Naseby, wo wir uns abends im Pub ein herrliches „Speight´s“ gönnen.

tiefhängende Wolken
einsames Farmhaus
es geht noch hoch kurz vor der Pause Danseys Pass lange Abfahrt einsame Kreuzung
15. Februar, 84km

Nach dem gestrigen Hammer sollte es heute besinnlicher zugehen. Schnell rasen wir nach Ranfurly. Von dort sollte der Otago Rail Trail uns nach Middlemarch führen. Aber im hiesigen Visitors Centre wusste nicht über den Baufortschritt Bescheid. Also doch die Strasse. Später kreuzen wir besagten Trail. Ab jetzt ist er freigegeben (laut Reiseführer mit neuem Belag). Aber er entpuppte sich als eine ganz üble Piste, mit viel Eisenbahnschotter und von Kühen zertrampelt. Die schöne Landschaft entschädigt dafür. Wir fahren sogar durch einen Tunnel und dachten erst, eine Kuh ist drinnen, aber zum Glück war es nur ein Schaf. Bei der nächsten Gelegenheit nehmen wir aber wieder die Strasse und erreichen zügig Middlemarch, wo wir in „Blind Billies Holiday Park“ übernachten. Billie organisiert uns die morgige Zugfahrt nach Dunedin.

Otago Rail Trail durch Tunnel Wo sind die Schafe? Pukarangi Taieri Gorge Train
16. Februar, 30km

Es regnet. Und wie uns Billie´s Frau sagt, das erste Mal seit über einem Jahr in dieser Gegend. Zum Glück haben wir Zeit, da der Zug erst am Nachmittag fährt. Abfahrt ist in Pukerangi, etwa 25km entfernt. Es klart bald auf, so dass wir gemütlich losradeln. Der Weg führt über einsame Strassen. Schon bald sind wir da, natürlich viel zu früh. Der „Bahnhof“ Pukerangi liegt im Niemandsland, und in den ersten zwei Stunden unserer Wartezeit passiert nichts. Wir kochen uns einen Kaffee und fotografieren den Bahnhof aus allen Lagen. Dann kommt eine amerikanische Familie mit dem Auto. Sie sind schon fast ein Jahr unterwegs. Doch plötzlich wird es voll. Zwei Busse kommen an, einer mit betagten Amerikanern, Europäern und einer mit Japanern, die sofort ihre Fotoapparate und Videokameras zücken und unsere Räder begutachten. Kurz danach trifft der Zug ein und wir fahren nach Dunedin. Eine herrliche Zugfahrt durch eine wunderschöne „Taieri Gorge“. Unterwegs halten wir einmal zum Fotografieren, was die Japaner ausgiebig nutzen. In Dunedin angekommen buchen wir im Visitor Centre eine Bus- und Bootstour auf die Otago Peninsula für den nächsten Tag. Unser Campingplatz liegt direkt am Pazifik, so dass wir abends noch baden gehen können.

Fotostop
Home Tour 1999 Dunedin - Te Anau