Haast - Westport

03. März, 124km

Von wegen nur Regen an der Westküste. Wir haben strahlenden Sonnenschein. Zu Beginn überqueren wir die fast einen Kilometer lange Brücke über den Haast River, einspurig, wie fast alle Brücken in Neuseeland. Dann folgt die Straße direkt der Küste, bei Knight´s Point bieten sich herrliche Ausblicke. Dann schwenkt die Route ins Landesinnere. Der Wald links und rechts der Strecke ist so dicht, dass man nur wenige Meter weit hineinsehen kann. Am Lake Paringa machen wir eine längere Pause. Bis jetzt haben wir über 70 Kilometer zurückgelegt. Da wir uns gut fühlen, wollen wir weiter bis nach Fox Glacier. Bei Bruce Bay kommen wir noch einmal kurz ans Meer. Leider ärgern uns Scharen von Sandflies, so dass wir schnell weiterfahren. Dabei haben wir ab jetzt den Mt. Cook ständig im Blick. Auf den letzten der insgesamt 125 Kilometern schwinden dann doch merklich die Kräfte. Schließlich erreichen wir den kleinen Ort, nicht mehr als eine Ansammlung von Häusern. Ständig fliegen Helikopter um uns herum auf dem Weg zum Gletscher, den wir uns morgen ansehen wollen.

Windflüchter
Knight´s Point
Knight´s Point Lake Moeraki Mt. Cook in Sicht Lookout bei Fox Glacier Spiegelung am Lake Matheson
links Mt. Tasman, rechts Mt. Cook
04. März, 0km

Wir stehen heute sehr früh auf, denn wir wollen zum naheliegenden Lake Matheson, um das wohl bekannteste Motiv Neuseelands zu sehen: die sich im See spiegelnden Southern Alps. Nach einer kurzen Wanderung erreichen wir den Aussichtspunkt und haben Glück. Kaum eine Wolke und spiegelglattes Wasser. Wir lassen die Räder am Zeltplatz und gehen zu Fuß zum Gletscher. Dabei kommen wir an Markierungen vorbei, bis wo der Gletscher vor 100 Jahren gereicht hat. Dann sehen wir ihn vor uns: ein Strom aus schmutzigem Eis, der bis in den Regenwald reicht. In der Mitte das riesige Gletschertor. Es ist auch merklich kühler. Leider sehen wir keine Keas, die vorwitzigen Bergpapageien Neuseelands. Abends sitzen wir lange auf der Terrasse eines Pubs und genießen die laue Nacht, es ist schließlich mein erster Geburtstag im Sommer.

Fox Glacier
05. März, 25km

Heute erfahren wir, warum die West Coast auch Wet Coast genannt wird. Es regnet. Erst nur ein wenig. Deshalb wollen wir doch nach Franz Joseph fahren, dem anderen Gletscherort. Es sind nur gut 20 Kilometer bis dort, dazwischen liegen aber drei größere Hügel. Wir sind in unsere Regensachen eingepackt und sehen nur die nächsten fünf Meter vor uns. Bergauf trampeln wir fast abwesend, jeder ist mit sich und dem stärker werdenden Regen beschäftigt. Bergab ist höchste Vorsicht auf der nassen Straße geboten. Trotzdem haben wir noch ein Auge für den Regenwald, durch den die wabernden Wolken ziehen. Kleine Flüsse schwellen zu reißenden Strömen an. In Franz Joseph fragen wir nach einer Cabin, leider sind alle ausgebucht. Aber wir müssen Mitleid erregt haben, die Leiterin erinnert sich an einen kleinen Bunkroom, den sie uns gibt. Wir sind froh, ein festes Dach über dem Kopf zu haben. Nach einer heißen Dusche gehen wir in den Ort in den Pub und schreiben Karten nach Hause. Abends versammeln sich viele Camper im Fernsehraum. Etliche mussten ihre Zelte abbauen, sonst wären sie weggeschwemmt. Sie schlafen jetzt im Fernsehraum. Auch bei uns liegt noch jemand. Wir machen noch ein paar Bilder vom Fluss, der direkt am Zeltplatz vorbeifließt und mächtig rauscht. Jetzt verstehen wir auch, warum die Flussbetten hier so breit sein müssen.

riesige Farne
wet coast, Franz Joseph
06. März, 110km

Es regnet immer noch, jedoch nicht mehr so stark. Da in Franz Joseph nichts los ist, beschließen wir, weiter zu fahren. Die Strecken ist fast vollständig flach, so dass wir gut vorankommen. Ab Whataroa fahren wir wieder durch Farmland. Seb legt ein ordentliches Tempo vor, ich fahre nur stur hinterher und lasse mich mitziehen. Am Mount Hercules müssen wir ganz schön schnaufen. Dafür ruhen wir uns in Harihari aus. Es wird langsam heller und der Regen lässt nach. Am Lake Ianthe fotografieren wir einen Regenbogen. Während des Stops passiert uns in dieser verlassenen Gegend ein Polizeiwagen. Glück gehabt, denn wir fahren ohne Helm. Schließlich hört der Regen ganz auf und es kommt sogar die Sonne heraus. So erreichen wir Ross, wo immer noch nach Gold gesucht wird. Auch sonst steht die Zeit hier seit hundert Jahren. Neben einem alten Hotel können wir zelten, es wirkt jedoch nicht sehr einladend. Dafür sieht es im Hotel noch aus wie zur Goldgräberzeit.

07. März, 65km

Endlich wieder gutes Wetter. Wir fahren bei strahlendem Sonnenschein am Meer entlang nach Hokitika, der Stadt des Greenstone. Und die erste Stadt seit Wanaka. Überall gibt es Werkstätten und sogar ein Jademuseum. Wir fahren weiter nach Greymouth. Hier sitzen wir abends am Strand beim Lagerfeuer und genießen einen wunderschönen Sonnenuntergang. Leider gehen noch meine Sandalen kaputt.

road and rail bridge
Sonnenuntergang Strand-BBQ Küste bei Rapahoe Traumküste Traumküste
08. März, 50km

Morgens kaufe ich mir neue Sandalen, diesmal von Teva. Dann fahren weiter die Küste hoch. Die Straße bietet immer wieder herrliche Ausblicke über einsame schwarze Strände. Dann sehen wir die ersten Palmen. Die Attraktion in Punakaiki sind die bekannten Pancake Rocks mit den Blowholes. Aber wir haben einen ruhigen Tag erwischt, die Wellen sind zu klein. Am Strand sammeln wir noch einige schöne Stücke Treibholz und jadehaltige Steine.

Punakaiki Beach Perpendicular Point
09. März, 62km

Mal wieder Regen am Morgen. Mit einer Radlerin aus Deutschland warten wir auf besseres Wetter. Nach einigen Stunden können wir los, sogar die Sonne kommt heraus. Kurz nach Punakaiki beginnt der vielleicht schönste Küstenabschnitt. Wir fahren direkt am Strand entlang. Dann verlassen wir das Meer und müssen bergauf nach Charleston strampeln. In der Ferne können wir schon Westport sehen. Nach einiger Zeit merke ich, dass Seb mir nicht mehr folgt. Ich warte eine Zeit. Als ich zurückfahren will, kommt er mir entgegen, ziemlich sauer, denn ein Auto hat ihm beim Überholen gestreift und er ist in den Straßengraben gestürzt. Zum Glück ist nichts Ernstes passiert. Westport entpuppt sich als ziemlich trostloses Städtchen, wir bleiben abends auf dem Zeltplatz.

Te Anau - Haast Home Tour 1999 Westport - Kaikoura