Christchurch - Cromwell

1. Tag – Die Anreise, 25km

Vormittags bringt Anja mich und meine Ausrüstung, mein Rad, ein großer Packsack, ein Pappkarton, zum Zug. Nun beginnt endlich die langersehnte Reise. Zum Abschied schneit es, und ich freue mich auf den warmen Süden. Auf dem Flughafen beginnt dann das große Umpacken – das Rad muss in den Karton. Es geht reibungslos. Dann meint die Dame am Gepäckschalter, dass ich ja ziemlich viel Gepäck dabei hätte. Sie zeigt sich jedoch kulant und so geht der Flug los. Die Speisekarte und die Stewardessen sehen noch genauso aus wie vor zwei Jahren – also wieder Pipimpap essen. Ab Seoul habe ich sogar einen Fensterplatz und kann einen dramatischen Sonnenaufgang in einem Gewittersturm erleben. Schließlich sind die Inseln am anderen Ende der Welt erreicht. Am Zoll wird mein Zelt und mein Rad, jawohl, es ist alles heil angekommen!, ausgiebig inspiziert, zum Glück habe ich beides aus weiser Voraussicht gesäubert. Ich bin da! Es kommt mir vor, als wäre ich gestern erst hier gewesen, den Weg in die Stadt kenne ich gut. Auf dem Zeltplatz treffe ich die ersten Radler, zwei Schweizer. Nach einem kurzen Gespräch will ich nur noch was essen und gehe schon ziemlich müde ins Zelt, um meine Zahnbürste zu holen...

2. Tag – Mit dem Bus zum Lake Tekapo, 28km

...nachts um halb drei werde ich wach – ich liege mit allen Sachen an halb im Zelt, die Füße mit Schuhen nach draußen. Ich war sehr müde gestern. Ich lege mich richtig hin und schlafe weiter. Morgens radle ich erst mal in die Stadt und kaufe mir ein Busticket nach Tekapo und den „Pedallers Paradise“, das meiner Meinung nach unentbehrliche Handbuch für Radfahren und Neuseeland. Nachmittags geht der Bus. In Tekapo weht ein starker Nor´wester, das wird morgen anstrengend.

3. Tag – Die Radreise beginnt, 88km

Ich bin sehr früh wach und fahre ein Stück am See entlang. Zurück auf dem Zeltplatz und der Wind frischt wieder auf. Ich muss mich entscheiden: warten oder losfahren und wohin? Twizel oder Omarama, Glentanner oder Mt. Cook? Die anderen Radler hier (wieder Schweizer) packen, also kann ich das aus. Ich fahre erst mal los. Entlang dem Kanal. Hier treffe ich David, einen Schweizer. Wir fahren eine Weile zusammen. Er ist vor zwei Jahren in der Schweiz losgeradelt über Asien bis hierher. An der Kreuzung nach Mt. Cook muss eine Entscheidung her. Das Wetter wird schlechter, von den Bergen ist nichts zu sehen. David will trotzdem zum Mt. Cook und bietet mir seinen Windschatten an, da ich schon ziemlich erschöpft bin. So beginnt der Kampf gegen das Wetter. Es wird kälter, windiger und starker Regen setzt ein. Ich sehe nur noch ein Hinterrad und muss schon am ersten Tag an die Grenze gehen. Völlig durchnässt erreichen wir Glentanner und wärmen uns auf. David will noch weiter, ich bleibe jedoch hier. Und dann das Unglaubliche: es klart auf, pünktlich zum Sonnenuntergang strahlen die Berge mich an. Der ganze Zeltplatz ist im Photorausch.

4. Tag – Mt. Cook National Park, 28km

Traumwetter. Kaum eine Wolke stört den Blick auf die Alpen. Schnellstmöglich fahre ich Richtung Mt. Cook Village, eine Postkartenlandschaft, ich mache immer wieder Photostops. Ich baue mein Zelt auf dem DOC-Platz auf und mache mich auf den Weg zum Hooker Gletscher. Auf dem Weg dorthin treffe ich David, der mit Oscar, einem Italiener und Maki, einer Japanerin, unterwegs ist. Zu viert erreichen wir den Gletschersee, in dem viele Eisberge schwimmen. Immer wieder bricht ein Stück vom Gletscher ab und kracht ins Wasser. Ein Bad ist Pflicht fürs Photo, bei vier Grad auch sehr erfrischend. Zurück im Ort setzen wir uns ins Nobelhotel, das Hermitage. Hier gibt es Hot Chocolate „free refill“. So bleiben wir lange und beobachten die Massentouristen, vor allem Japaner, die nacheinander vorgefahren werden. Abends essen wir zusammen Pasta in der Jugendherberge, wo Oscar und Maki wohnen. Dazu gibt es Wiesensalat a lá Oscar, selbstgepflückt; ja, man kann Blumen essen (muss man aber nicht).

5. Tag – Zur Killermont Station, 117km

Die Nacht war klar und kalt, auf einigen Zelten hat sich sogar Reif gebildet. David und ich fahren früh los, zunächst noch mal zum Hermitage, dann in die Jugendherberge zum Frühstück. Wir verabschieden uns von Oscar und Maki und machen uns auf den Weg. David hat die gleiche Richtung in den nächsten Tagen, so dass wir zusammen fahren. Bei dem guten Wetter rollen wir zügig den See entlang, müssen uns wegen des Panoramas aber immer wieder umdrehen. In Twizel füllen wir unsere Vorräte auf. Dann haben wir sogar Rückenwind und fliegen förmlich nach Omarama. Von hier sind es noch 15 Kilometer bis zur Killermont Station, einer Schaffarm direkt am Highway, die Unterkünfte der Schafscherer als Backpacker anbietet. Wir bevorzugen jedoch das Zelt.

6. Tag – Über den Lindis Pass, 98km

Direkt hinter der Station beginnen die Berge und die Straße steigt langsam an. Es ist kaum Verkehr und die Landschaft ist karg, hat aber einen besonderen Reiz. Erst die letzten Kilometer vor dem Pass sind steil. Von oben bietet sich ein schöner Blick. Dann die Abfahrt: 11 Kilometer rollen lassen. Mittlerweile ist es ziemlich heiß geworden, so dass der Schweiß beim Anstieg aus dem Lindis Valley ordentlich fließt. Im Örtchen Tarras machen wir eine längere Rast, danach rollen wir entlang des Lake Dunstan bis nach Cromwell, einer Retortenstadt. Man kann jedoch im Fluss schön schwimmen. David findet noch einen großen Stein und ist überzeugt, da ist Jade drin. Er bekommt ihn aber nicht gespalten und muss ihn wegen des Gewichtes schweren Herzens liegen lassen. Auf dem Zeltplatz treffen wir auch die Schweizer vom Lake Tekapo wieder, Daniel, Markus und Andrea. So machen wir abends zusammen ein gemütliches Barbeque.

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