Cromwell - Te Anau

7. Tag – Entlang des Clutha Rivers, 117km

Während die anderen drei sich Richtung Queenstown verabschieden, fahren David und ich Richtung Dunedin. Wir kommen durch alte Goldgräberorte wie Clyde und Alexandra. Ab hier wird es anstrengend. In Gluthitze ohne schützende Bäume führt die Straße über viele steile Hügel nach Roxbourgh. Es ist wie eine Achterbahn. Nach einer längeren Pause geht es jetzt flach weiter. Die Landschaft wird immer grüner, die Hügel kleiner. In Beaumont, der Ort besteht eigentlich nur aus einem Hotel mit einer Wiese zum Zelten, bleiben wir über Nacht. Abends genehmigen wir uns einen kühlen Jug „Speight´s“ im Hotel.

8. Tag – Wieder am Meer, 108km

Heute trennen sich unsere Wege. David will nach Dunedin, ich nach Kaka Point. So fahre ich allein eine schmale Straße entlang, direkt am Clutha. Ich folge ihm bis an die Mündung. Dabei geht es zunächst durch Wald, danach durch eher langweiliges Farmland. In Balclutha erreiche ich wieder bekanntes Terrain und kaufe groß ein, denn die nächsten Tage in den Catlins gibt es kaum günstige Möglichkeiten. In Kaka Point baue ich mein Zelt auf, mache dann noch einen Kurztrip zum Nugget Point. Dort am Leuchtturm liegen viele Seelöwen, die selteneren Seeelefanten sehe ich leider nicht. Zurück in Kaka Point nehme ich ein Bad am herrlichen Strand.

9. Tag – Durch die Catlins, 91km

Kurz hinter Kaka Point beginnt der Gravel. Bei Gegenwind tue ich mich zunächst ziemlich schwer und komme nur langsam voran. In Owaka besorge ich mir noch Spiritus für meinen Kocher. Ich entscheide mich, diesmal den Highway bis nach Papatowai zu nehmen, der jetzt durchgehend asphaltiert ist. Hier warten zwei ordentliche Anstiege auf mich. Auch ist die Landschaft nicht so schön wie an der Straße über Purakaunui. In Papatowai genehmige ich mir einen „basket of chips“, für die nächsten Hügel auf Gravel brauche ich Energie. An der Tautuku Bay mache ich einen kurzen Walk zum Strand, den ich für mich allein habe. Die Cathedral Caves sind leider nicht zu besichtigen, da Flut ist. Durch herrlichen Busch geht es weiter, die Anstiege fallen mir leicht. Erst die letzten Kilometer bis Curio Bay fluche ich über den sehr tiefen Gravel, ich kann mich kaum auf dem Rad halten. Dort angekommen kann ich noch einige Pinguine beim Landgang beobachten, außerdem Delphine und schließlich einen herrlichen Sonnenuntergang.

10. Tag – Weite Ebenen und der südlichste MacDonald´s, 96km

Wieder ein schöner Tag, sogar der Wind kommt aus dem Osten, eine Seltenheit hier, wenn man sich die Bäume betrachtet. Zunächst fahre ich weiter im Gravel durch einsame kleine Dörfer, vorbei am Slope Point, dem südlichsten Punkt der Südinsel. Bald beginnt wieder Asphalt, und in Fortrose treffe ich auf den Highway. Er führt topfeben und zum Ende hin schnurgerade aus nach Invercargill. In Mokotua genehmige ich mir ein Eis (NZ$ 1 für 2 riesige Kugeln), und rase weiter mit Rückenwind. Schon Mittags erreiche ich Invercargill. Dort besuche ich das Southland Museum, u.a. mit Henry, einer über 100jährigen Brückenechse. Dann noch ein Mahl im südlichsten MacDonald´s und weiter nach Lorneville, einem Vorort. Der Zeltplatz da soll sehr schön sein, und wirklich, ein sehr gemütliches Fleckchen auf einer kleinen Farm.

11. Tag – Richtung Fjordland, 100km

Der Highway bis nach Riverton ist weiterhin flach und ohne besondere Sehenswürdigkeiten, ich fahre zügig durch. Dann wird es hügliger, teilweise gibt es schöne Blicke auf das Meer. In Orepuki mache ich wie vor zwei Jahren am Strand Kaffeepause, diesmal sind mir die Wellen zum Baden jedoch zu hoch. In Tuatapere, der „Sausage Capital of New Zealand“, fülle ich meine Packtaschen wieder auf. Ich will heute noch nach Clifden und dort an der Hängebrücke zelten. Abends ersetzt ein ausgiebiges Bad im Fluss die Dusche.

12. Tag – Die Umkehr, 47km

Schon in der Nacht höre ich den Wind auffrischen und ahne Böses. Ich hoffe, er weht in die richtige Richtung, aber ich habe Pech. Bei dem Sturm warte ich zunächst an der Brücke auf Besserung, oder das mich jemand mitnehmen kann. Fehlanzeige. Schließlich legt sich der Wind etwas und ich wage die Fahrt. Eine kilometerlange Gerade schaffe ich ganz gut, dann wird das Tal enger, der Wind wie durch eine Düse immer stärker und kalter Regen setzt ein. Ich muss anhalten, um nicht von der Straße geweht zu werden. Ich versuche zu trampen, aber hier ist überhaupt kein Verkehr, und die paar Autos fahren fast alle in Richtung Invercargill. Ich will aber nach Te Anau. Langsam muss ich mich entscheiden, denn ich habe keine Nahrungsvorräte, um wild zu zelten. Nach zwei Stunden entschließe ich mich schweren Herzens, nach Tuatapere zurückzufahren. Wütend und mit Rückensturm jage ich die Straße entlang. Ich quartiere mich in einen Backpacker ein, ich bin der einzige Gast. Im Visitor Center buche ich mir aus Trotz eine Busfahrt für morgen. Abends rufen sie mich zurück, der morgendliche Bus ist voll. Sch...

13. Tag – Eine abenteuerliche Busfahrt, 8km

Früh fahre ich erneut zum Visitor Center, und kaufe eine Fahrkarte mit dem Shuttle nach Te Anau. Man sichert mir zu, da komme ich mit. Ich schreibe ein paar e-mails, dann treffe ich David wieder. Er kommt heute schon von Invercargill und will nach Te Anau. Ich habe immer noch keine Lust zu radeln, zumal der Wind sich nur leicht gelegt hat. Schließlich kommt mit einer Stunde Verspätung mein Shuttle. Und der Fahrer sagt mir, ich könne zwar mit, für mein Rad habe er aber keinen Platz mehr, da schon fünf Radfahrer im Shuttle sitzen. Schei... Doch ich überrede ihn und wir zurren mein Rad auf dem Dach des Hängers fest. Mein armes Rad. Dann rast er wie ein Verrückter, macht abenteuerliche Wendemanöver. Ich mag nicht an mein Rad denken. Die Radfahrer sind, wie soll es anders sein, aus der Schweiz. Auch sie schwitzen bei der Fahrweise. Und dann erreichen wir Te Anau schließlich doch ohne Unfall, selbst die Räder sind heil, außer meiner Klingel, na ja. Und wen treffe ich auf dem Zeltplatz? Daniel, Markus und Andrea. Spät abends trifft David auch noch ein.

Christchurch - Cromwell Home Tour 2001 Te Anau - Haast