Gisborne - Tairua

49. Tag - Einsame Straßen, verlassene Orte und Pferdeflüsterer, 98km

Heute steht die erste Etappe der East Cape Umrundung an. Kurz hinter Gisborne führt der Highway direkt am Strand entlang, eine Bucht nach der anderen. Dann dreht er ins Landesinnere ab und bekanntes Farmland bestimmt die Umgebung. Einige Regenschauer und kleine Hügel lassen es nicht langweilig werden. In Tolaga Bay erreiche ich wieder das Meer. Dieser Ort hatte einst die längste Wharf der Südhalbkugel, die Reste kann man noch sehen. Jetzt ist hier kaum etwas los. Auf dem Weg nach Tokomaru Bay, meinem heutigen Ziel, passiert nichts aufregendes, nur ein längerer Anstieg vor dem Ort bringt mich ins Schwitzen. In "Toko" suche ich den Backpacker "Brians Place", den David mir empfohlen hatte. Er liegt etwas oberhalb des Ortes, ein kleines, urgemütliches Haus. Brian ist sogar schon in einer deutschen Reisezeitschrift als Pferdeflüsterer bekannt geworden. Er zeigt mir den "Zeltplatz", eine kleine ebene Fläche an einem steilen Hang, gerade groß genug für mein Zelt, dafür mit phantastischer Sicht auf das Meer. Ich erkunde den kleinen Ort, der genauso wie Tolaga Bay schon bessere Zeiten hatte. Eine große Kühlfabrik wurde hier gebaut, jetzt verfallen die Ruinen und viele Häuser stehen leer. Dann kommt Brians Bruder noch vorbei, ein Fallensteller, hauptsächlich für Possums. Am Abend treffen noch zwei Deutsche und ein Italiener ein, wir sitzen bis tief in die Nacht auf der Terrasse.

50. Tag - Die östlichste Etappe, 87km

Morgens steigt die Sonne direkt vor meinem Zelt aus dem Meer. Kurz nach Toko beginnt ein langer Anstieg, von oben kann ich den Mt. Hikurangi sehen, den höchsten nichtvulkanischen Berg der Nordinsel, und nebenbei ein heiliger Berg der Maori. In Tikitiki besichtige ich eine Kirche mit reichhaltigen Holzschnitzereien. Einige düster dreinblickende und stark tätowierte Maori treiben ihre Pferde die Straße entlang. Aber vom Äußeren darf man sich nicht täuschen lassen, Maori sind zwar zurückhaltender als Pakeha, aber sehr freundlich. Nach Tikitiki folgen drei steile Anstiege nacheinander. In Awatere findet ein großes Marae statt, ich frage mich, wo die ganzen Menschen hier herkommen. Schließlich komme ich in Te Araroa wieder ans Meer. Am Ende der weitgeschwungenen Bucht liegt der Zeltplatz. Das Kino hat leider schon zu. Ich versuche Bodysurfing in den Wellen. Als ich vom Strand zurückkomme, hat irgendein A...loch meine Butter und den Käse aus dem Kühlschrank geklaut, so muss ich im teuren Shop einkaufen.

51. Tag - Traumstraßen, eine Einladung und mein erster Angeltrip, 94km

Ich stehe vor Sonnenaufgang auf und gehe zum Strand. Hier will ich meinen östlichsten Sonnenaufgang erleben. Der Trip zum East Cape ist mir etwas zu weit. Ein Hügel muss zur Hicks Bay überwunden werden, dann dreht die Straße vom Meer weg. Ich komme überhaupt nicht voran, habe das Gefühl, es geht nur aufwärts und mein Rad klebt auf der Straße. Dann endlich sehe ich wieder Wasser, die Bay of Plenty ist erreicht. Nun folgt eine wunderschöne Küstenstrecke von Bucht zu Bucht, durch subtropische Wälder, sogar mit Bananen. In Raukokore steht eine kleine Kirche direkt am Wasser. In Te Kaha überlege ich, ob ich weiter fahren soll. Während ich die Karte studiere, setzt sich ein älterer Mann namens Alan zu mir. Er meint, die nächsten Zeltplätze sind nicht so schön und eigentlich könnte ich bei ihm übernachten, er wohne nur ein paar Meter weiter. Ich sage zu und wir fahren zu ihm. Seine Frau begrüßt mich ebenso freundlich. Kurz darauf will er fischen fahren und seine Langustenkörbe aussetzen. Natürlich komme ich mit und sein Nachbar Jim. Mit einem alten Traktor bringen wir das Boot zu Wasser. Zuerst sammeln wir die Langustenkörbe ein und erneuern die Köder. Dann wird geangelt. Ich habe das noch nie vorher gemacht, fand es immer langweilig. Hier geht das ganz schnell. Nach wenigen Sekunden zuckt die Rute und wenn man nicht schnell genug anreißt, ist der Köder weg. Schnell holen wir eine Menge Fische heraus, hauptsächlich Snapper. Diese braten wir abends ganz frisch. Alan und seine Frau kommen aus Rotorua und seit der Rente leben sie hier. Es wird wieder ein langer Abend.

52. Tag - Noch mehr Traumküste und wieder eine richtige Stadt, 116km

Früh fahren Alan, Jim und ich mit dem Boot raus, um nach den Langusten zu sehen. Leider sind keine drin. Nach dem Frühstück räumt Alans Frau den Gemüsegarten auf und übergibt mir einen Riesenbeutel. Ich verabschiede mich von meinen freundlichen Gastgebern und eine weitere Traumstraße wartet auf mich. Weit vor der Küste raucht White Island, ein aktiver Vulkan. Bei Opotiki treten die Berge zurück und ein scheinbar endloser Sandstrand beginnt. Dann muss ich den Ohiwa Harbour umrunden, ich nehme die kürzere Route über Ohope. Nebenbei beobachte ich, wie ein komplettes Haus auf einen Tieflader geladen wird - Umzug auf neuseeländisch. Hinter Ohope beginnt ein steiler Anstieg, der mir mächtig an die Substanz geht. So fertig war ich selten. Schließlich erreiche ich mit Whakatane nach Tagen wieder eine richtige Stadt. Irgendein Pyromane hat auf dem Zeltplatz das Küchenhaus angezündet, er soll jetzt gefasst sein, so dass keine Gefahr mehr droht. Ich unterhalte mich noch mit einem dänischen Radfahrer.

53. Tag - Entlang der Bay of Plenty, 99km

Die ersten Kilometer fahre ich zusammen mit dem Dänen, bis er nach Rotorua abbiegt. Beim Abschied merke ich plötzlich, dass auch meine Reise bald zu Ende ist und die größten Herausforderungen jetzt hinter mir liegen. Seit Whakatane hat der Verkehr wieder zugenommen. Zunächst immer am Strand entlang führt der Highway dann bei Te Puke durch Kiwi Anbaugebiete. Die Stadt nennt sich auch "Kiwi Capital of the World", es gibt sogar ein "Kiwi Fruit Country"-Erlebnispark. An vielen Ständen an der Straße gibt es frisches Obst. So früh wie möglich verlasse ich die Hauptstraße, ich will über Papamoa und Maunganui nach Tauranga fahren. Ein weiterer Sandstrand lädt zum Baden ein. Direkt dahinter liegen wie an einer Perlenkette riesige Wohnanlagen, vor allem für wohlhabende Senioren. Sie sehen unwirklich, extrem sauber aus, fast wie Disneyland. Über eine Mautbrücke (für Radfahrer frei) komme ich nach Tauranga und stelle mein Zelt im "Just the Duck Nuts" Backpacker auf. Hier wohnen vor allem Surfer, die Stadt scheint ein kleines Mekka zu sein.

54. Tag - Viel Verkehr, 60km

Der Highway 2 ab Tauranga ist sehr stark befahren. Massen von Trucks kommen mir vor allem auf den Brücken ohne Seitenstreifen zu schaffen. Zudem geht es munter auf und ab. Aber es gibt keine sinnvolle Alternative. Endlich erreiche ich die Abfahrt nach Waihi Beach, wo ich bleiben will. Der Zeltplatz wirkt wie ausgestorben, Küche und Aufenthaltsraum sind abgeschlossen und in den zahlreichen Dauercampern ist auch niemand. An der Rezeption sagt man mir, mehrere Schulklassen seien zur Zeit hier und die haben den Schlüssel für die Räume. Super. Dazu regnet es auch noch. Ich mache trotzdem eine Wanderung zur Nachbarbucht. Ein schöner Track durch Buschland führt in einer guten halben Stunde dorthin. Die schöne Sandbucht habe ich für mich alleine. Als ich zurückkomme, sind auch die Schulkinder da und ziehen lärmend über den Platz. Ich mache mein Essen in der zweiten Küche, dort gibt es nicht mal einen Tisch, geschweige denn Stühle. Sie sind hier ganz auf Dauercamper eingestellt. Das bezeugen auch die zahlreichen Lobeshymnen dieser Gäste, die überall aushängen und mir wie Hohn vorkommen.

55. Tag - Coromandel Feeling, 80km

Ich will nur weg von diesem nicht sehr fahrradfreundlichen Campingplatz. In Waihi komme ich an der Goldmine vorbei, ein gigantisches Loch in der Erde. Dann geht es endlich auf ruhigen Straßen Richtung Coromandel Peninsula. Ein ordentlicher Hügel wartet vor Whangamata auf mich, dann komme ich in den Ferienort. Nach einem Eis an der Hauptstraße fahre ich weiter. Ein weiterer Hügel muss überwunden werden, ehe ich dem Tairua Harbour entlang in die gleichnamige Stadt folge. Im Tairua Backpacker stelle ich mein Zelt auf. Hier ist es urgemütlich. Viele der Gäste sind auch kurz vor dem Urlaubsende, und wir schwelgen in unseren Urlaubserinnerungen.

Taupo - Gisborne Home Tour 2001 Tairua - Auckland