Haast - Westport

22. Tag – Entlang der „Wet West Coast“ zu den Gletschern, 126km

Richtiges Westküstenwetter herrscht heute – es regnet. Wir lassen uns nicht beirren und fahren los. Leider sehen wir nicht sehr viel von der eigentlich schönen Landschaft, aber ich kenne sie noch vom letzten Mal. Am Knight´s Point wird es richtig gefährlich, denn meine Brille beschlägt und es ist neblig, so dass ich mich die Abfahrten fast im Blindflug hinuntertaste. Dann erreichen wir Lake Paringa. Im dortigen Café wärmen wir uns auf. Weiter geht es im Dauerregen, mal mehr, mal weniger. Aber das macht mir heute überhaupt nichts aus. Schließlich erreichen wir Fox Glacier. Aus einem Gletschertrip wird jedoch nichts. Es regnet...

23. Tag – Regen, Regenwald und wieder Regen, 54km

...und regnet. Nichts Neues also an der Wetterfront. Wir warten zuerst noch ab, beschließen dann, loszufahren. Was soll man auch hier im Regen anstellen? Die Berge bis Franz Joseph haben es in sich. Schon vor zwei Jahren bin ich die im Regen hochgestrampelt – ein de javú? Auf den Abfahrten versagen bei den Wassermassen meine Bremsen, ich bekomme ziemlich Angst und meine Finger krampfen. Noch schlimmer ist nur, dass meine Kamera nicht mehr will, der Auslöser geht nicht. Ich werde langsam unruhig. In Franz Joseph machen wir eine längere Pause, erkundigen uns nach dem Wetter und füllen unsere Vorräte auf. Schließlich trudelt auch Daniel ein. Er will von hier mit dem Bus bis Greymouth fahren, nach Okarito. Meine Stimmung ist auf dem Tiefpunkt, ich überlege lange, entscheide mich dann doch für Okarito. Wir verabschieden uns von Daniel und fahren los. Nach wenigen Metern werde ich wieder warm und die Laune steigt. Wir rasen durch den Regen, der mir nichts mehr ausmacht. In Okarito ziehen wir in das urige Youth Hostel, es hat insgesamt 12 Betten in zwei Räumen, einer ist Küche, Wohn- und Schlafraum in einem. Dies ist wirklich ein einsames, aber sehr schönes Nest. Es folgt ein Spaziergang am einsamen Strand. Und abends geht meine Kamera wieder.

24. Tag – Endlich Sonne, 132km

Morgens ist es noch ziemlich neblig, aber der Regen hat aufgehört. Zwei Wanderer kommen vom Trig Point, einem Aussichtspunkt. Sie wollen kurz die Berge gesehen haben. Also gehen wir auch hin. Und als wir oben sind, geschieht ein kleines Wunder: wie von Geisterhand wird der Nebel weggeschoben und die Southern Alps mit Mt. Cook strahlen uns an. Wahnsinn. Nach zehn Minuten ist es wieder dicht. Dann radeln wir los. Das Wetter wird immer besser, wir haben ständig schöne Bergpanoramen im Blickfeld. In Harihari ist mal wieder eine große Portion Eis fällig. Wir kommen zügig voran und beschließen, bis Hokitika zu fahren. Dort bleiben wir im Seaside Backpackers direkt hinter den Dünen. Der Besitzer ist ein Jadeschnitzer und ein bisschen schrullig, seine wechselnden Angestellten nennt er „slave no. 7 usw...“.

25. Tag – Mit dem Zug über die Alpen, 44km

Morgens kaufe ich mir im Visitor Information die Zugfahrkarte für den Tranz Alpine. Ich habe riesiges Glück, es ist die letzte! Dann verabschiede ich mich von David und radle nach Greymouth. Das Wetter ist sehr gut und die Strecke ist vollkommen flach. Der Zug fährt erst nachmittags, ich habe Zeit. Unterwegs komme ich über einspurige Brücken, über die zusätzlich auch die Züge fahren. In Greymouth decke ich mich ordentlich mit Vorräten ein. Dann geht es endlich los. Zunächst habe ich ein ganzes Abteil für mich allein. Draußen ziehen Flüsse, Wälder und Weiden vorbei, die Berge kommen wieder näher. In Otira wird eine zusätzliche Lok angehängt und dann geht es mit viel Schwung durch den Tunnel aufwärts nach Arthurs Pass. Dort füllt sich auch mein Abteil, eine amerikanische Reisegruppe fällt ein. Ich gehe zum offenen Panoramawagen. Dort herrscht großes Gedränge, jeder will den besten Platz zum Photographieren haben. Nach einem weiten Tal führt die Fahrt in einen engen Canyon, Brücken und Tunnel wechseln sich munter ab. Dann erreichen wir Springfield, mein Ziel. Ich bekomme jedoch die Tür nicht auf (Kindersicherung?), und hetze durch den Zug. Ein Schaffner öffnet sie mir, am Gepäckwagen warten sie schon aufgeregt mit meinem Fahrrad auf mich. Das wäre beinah schiefgegangen und ich wäre nach Christchurch gefahren... Der Zeltplatz ist sehr einfach, nicht mal eine Küche gibt es. Und ich bin wieder in den braunen, trockenen Bergen der Ostseite, hier hat es seit einem Jahr nicht geregnet, sagt mir die "caretaker"in.

26. Tag – Das ganze wieder zurück, 87km

Es ist heiß und trocken. Die Straße führt zunächst schnurgerade auf die Berge zu, dabei nicht sichtbar, aber merklich bergauf. Ich habe das Gefühl, auf dem Asphalt zu kleben. Der Anstieg zum Porters Pass ist am Ende höllisch steil, im kleinsten Gang schleiche ich hoch. Die Trucks sind kaum schneller als ich. Dann eine kurze Abfahrt und ich erreiche ein wunderschönes, weites, trockenes Hochbecken, umrahmt von kahlen Bergen. Die Straße führt mitten hindurch, vorbei an den Castle Rocks. Am Lake Pearson mache ich eine kurze Pause. Im weiten Tal des Waimakariri Rivers treffe ich wieder auf die Bahnstrecke. An einem kurzen Anstieg überholt mich plötzlich ein Truck extrem eng, so dass ich die Wahl habe, entweder gegen die Felswand oder den Truck zu fahren. Ich halte an und drohe von hinten mit der Faust. Da besitzt der Trucker wirklich die Frechheit, oben! anzuhalten und mich bei meiner Ankunft zu beschimpfen. Wir tauschen einige Nettigkeiten aus, ich bin kurz davor, ihm eine zu drücken, aber er steigt nicht mal aus, dieses A.....In Bealey erinnert ein Moa-Warnschild daran, dass vor einigen Jahren Wanderer hier den lange ausgestorbenen Moa gesehen haben wollen. Mittlerweile bestimmt wieder Wald die Umgebung und in einem engen Tal erreiche ich Arthurs Pass Village. Im Backpacker finde ich einen Zeltplatz. Dort treffe ich später einen deutschen Radfahrer, der mit über 50kg! Gepäck unterwegs ist und mir von seinem super North Face Zelt vorschwärmt. Er hatte leider das Pech, dass sein Rad (mit allen Schikanen ausgestattet) auf dem Flug im Karton verpackt beschädigt worden ist, die gute Federgabel war verbogen. Das macht die Entscheidung, Rad verpacken oder nicht, nicht einfacher. Ich mache noch einen kurzen Walk zu den Devil´s Punchbowl Falls in der Nähe. Leider ist für morgen Regen angesagt, aus meiner Tour zum Avalanche Peak wird wohl nichts.

27. Tag – Im Westen nichts Neues – Regen, 104km

Heute hängen die Wolken tief. Ich entscheide mich, loszufahren, da man hier bei dem Wetter nichts machen kann. Es geht noch einmal bergauf, dann ist der Pass erreicht. Von der Westseite jagen Nebelschwaden aus dem Tal herauf. Ich taste mich langsam abwärts. Etwas weiter unten ist es klarer. Die Straße ist abenteuerlich an den Fels „geklebt“, es wird noch gearbeitet. Es wird sehr steil, meine Bremsen haben Arbeit. Ab Otira wird es flacher, ich bin wieder mitten im Regenwald. Hinter Jacksons biege ich ab, ich will die Nebenstrecke über Moana nehmen. Durch kleine Ansiedlungen rolle ich bei Dauerregen zügig voran. In Moana reißt der Himmel endlich auf. Die Straße habe ich fast alleine. In Stillwater treffe ich auf den Highway und setze sicherheitshalber den Helm wieder auf. Und wie auf Kommando kommt mir wenige Sekunden später die Polizei entgegen. Das war Hellsehen! Bald komme ich in Greymouth an und finde im Noah´s Ark Backpacker einen schönen Zeltplatz, und die Möglichkeit mal wieder Wäsche zu waschen.

28. Tag – Das schönste Stück West Coast, 104km

Super Wetter macht mich glücklich. Zunächst muss ich meine Tachobatterie erneuern. Der Uhrenladen gehört ausgewanderten Deutschen aus Mecklenburg, sie kannten Rostock noch von früher. Dann treffe ich den Deutschen vom Arthurs Pass, er hat meinen Rat befolgt sich von seinem 2.! Zelt und einiger weiterer unnützer Gepäckstücke getrennt und will Richtung Süden. Ich aber nach Norden, wo mich eine schöne Küstenstrecke erwartet. Immer wieder atemberaubende Ausblicke, die sich mit kurzen Anstiegen erkauft werden müssen. In Punakaiki sehe ich mir die Pancake Rocks an, leider zusammen mit wahren Touristenhorden. Ich beschließe, da es noch früh ist, doch bis Westport zu fahren, die Strecke ist fast noch schöner als bisher. Vor Charleston kommt die Herausforderung des Tages, mehrere lange Anstiege. Aber ich bin gut in Form. Im Backpacker in Westport ist niemand da, nur ein Zettel, dass das Hostel voll ist, nur noch Zeltplätze frei. Also stelle ich mein Zelt auf und mache einen Rundgang durch die Stadt. Viel gibt es hier nicht zu sehen, nur ein Treffen von Housetrucks. Auf dem Rückweg zum Backpacker schwant mir schlimmes, und ich habe recht: Ein grüner Bus von Kiwi Experience lädt seinen Inhalt aus. Das kann ja laut werden. Doch glücklicherweise veranstalten sie heute Nacht keine Party.

Te Anau - Haast Home Tour 2001 Westport - Wellington