Tairua - Auckland

56. Tag - Entspannung pur und die Cathedral Cave, 0km

Eigentlich wollte ich heute weiter fahren, aber es gefällt mir hier zu gut. Vormittags nutze ich bei Flut die kostenlosen Kajakboote und paddle Hafen herum. Nachmittags wollen zwei Detlev und sein Kumpel nach Hahei mit dem Auto fahren, ich schließe mich ihnen an. Auch Ike, eine weitere Deutsche und eine Israelin kommen mit. Als wir ankommen, ist der große Touristenrummel schon vorbei. Nach einem kurzen Walk erreichen wir die berühmte Cathedral Cave, eine große Höhle im weißen Kalkstein. Und das Wasser ist herrlich warm und klar. So soll Urlaub sein.

57. Tag - Weiße Strände, Busch und Althippies, 92km

Morgens sind viele in Aufbruchstimmung. Auch ich packe meine Sachen und arbeite mich den Hügel hinauf hinter dem Ort hinauf. Gestern mit dem Auto wirkte er höher. Um Cooks Beach gibt es zahlreiche weiße Strände, die zu Pausen einladen. Eine kleine Fähre bringt mich nach Whitianga, dem Touristenzentrum. Ich habe mich entschieden, die 309 Road zur Ostküste zu nehmen, da sie kürzer und weniger befahren ist als der Highway 25. Auf gut zu fahrendem festen Lehmboden bin ich bald in dichtem Busch. Die Straße schlängelt sich durch ein schönes Tal und steigt dann nicht zu steil bis 300m an. Die Abfahrt bietet schöne Ausblicke über die Halbinsel. Und hier fährt kaum ein Auto. Ich mache einen Stop an der Kauri Grove und sehe mir die wenigen verbliebenen imposanten Bäume an. Weiter geht es nach Coromandel zum Einkaufen. Hier leben viele Aussteiger und Althippies, alles ist sehr relaxt. Die Straße bis Colville ist schmal und hügelig. Auf einer Farm gibt es schöne Übernachtungsmöglichkeiten, auch ich bleibe hier.

58. Tag - Zur Nordspitze der Halbinsel, 59km

Heute will ich die Spitze der Coromandel Peninsula umrunden. Mit leichtem Rucksack fahre ich an der Ostseite nach Norden. Leider sieht das Wetter nicht so gut aus. Auf einer Schotterstraße geht es immer direkt am Wasser entlang, nur ein paar Angler sind noch da. Nach knapp 30km stehe ich auf dem Hügel vor Port Jackson plötzlich auf der Luv-Seite und starker Wind und Regen weht mir ins Gesicht. Aus der Weiterfahrt über Fletcher Bay und Port Charles wird deswegen nichts, ich fahre die gleiche Strecke wieder zurück. Die ist deutlich geschützter. Kurz bevor sich die Wolken richtig öffnen erreiche ich die Farm und ein Dach über dem Kopf. Jetzt schüttet es richtig. Ich lese etwas, später kommen ein schwedisches Paar und Dimitri, ein Holländer als weitere Gäste.

59. Tag - Ein Lift nach Thames, 0km

Das Wetter hat sich gehalten, es gießt weiterhin. Die Schweden wollen bleiben, Dimitri will mit seinem Van nach Thames und bietet an, mich mitzunehmen. Da sage ich nicht nein. Unterwegs erzählt er mir, dass er den Bus von Barbara geborgt hat, einer älteren Dame aus Thames, die dort einen Trödelladen und eine Art Backpacker hat. Auch ich kann bei ihr bleiben, habe sogar ein Einzelzimmer. Im Erdgeschoss in ihrem Laden verkauft sie so gut wie alles. Oben war mal ein Großraumbüro, daran liegen einige Zimmer. Dies soll mal ein Backpacker werden. Auf der großen Fläche kann jedenfalls erst mal mein Zelt trocknen. Abends gehen Dimitri in den örtlichen Pub.

60. Tag - Etwas aufräumen, 0km

Immer noch Regen. Dimitri und ich räumen für Barbara ordentlich ihr Gerümpel auf, sie kann sich anscheinend von nichts trennen. Dafür wohne ich umsonst. Dimitri wird nachmittags von einem Bekannten abgeholt, und Barbara sagt, sie fahre morgen mit dem Van nach Auckland und sie könne mich mitnehmen. Ich hatte sowieso keine große Lust, mit dem Rad in die Stadt zu fahren. Nach der Lehre von Wellington rufe ich diesmal in Auckland das Ponsonby Backpacker an und reserviere einen Zeltplatz.

61. Tag - Ein überraschendes Wiedersehen in der Metropole des Südpazifik, 0km

Vormittags fahren Barbara und ihr Sohn mit mir nach Auckland. Hier nicht zu radeln war die richtige Entscheidung. Sie laden mich noch zu einem Kaffee ein, dann verabschieden wir uns. Der Backpacker liegt im Stadtteil Ponsonby, einem lebendigen Viertel 15 Minuten zu Fuß vom Zentrum. Als ich vom Supermarkt zurückkomme, sehe ich einen Zettel am schwarzen Brett, ein Daniel will sein Rad verkaufen. Er wohnt im benachbarten Backpacker. Leider ist er nicht da, so gehe ich in die City. Schon im ersten Laden treffe ich Daniel. So klein kann die Welt sein. Wir erzählen uns unsere Erlebnisse seit dem letzten Treffen in Tongariro und bummeln durch die Stadt. Abends trifft ein Österreicher mit dem Rad ein, ist von Europa losgefahren. Er kannte auch David, sie sind in Asien ähnliche Strecken gefahren.

62. Tag - Stadt- und Kneipenbummel #1, 0km

Den Tag verbringe ich mit Daniel in der Stadt, er verteilt weitere Zettel für sein Rad. Die Backpacker in der City sind zum Teil sehr unpersönliche Absteigen, da bin ich froh, im gemütlichen Ponsonby zu sein. Ich suche noch einige Mitbringsel für zu Hause. In der Stadt leben viele Pacific Islanders aus Samoa, Cook Islands, Fidschi usw. So ist es sehr lebendig und farbenfroh zwischen den Hochhäusern. Eine Fahrt auf den Skytower ist uns zu teuer, Daniel meint, man kann die Treppe umsonst nutzen, aber das klappt nicht. Abends gehe ich mit dem Österreicher auf Kneipentour. In Ponsonby gibt es eine Menge, und fast überall mit Livemusik.

63. Tag - Stadt- und Kneipenbummel #2, 0km

So langsam naht das Ende meiner Reise. Die letzten Dollar müssen ausgegeben werden. Zum Abend bin ich noch mit Daniel und einer Bekannten von ihm verabredet. Sie ist Liechtensteinerin und besucht hier eine Sprachschule. Wir setzen uns in ein Café im Hafen und ich genieße meinen letzten Abend. Daniel hat sein Rad mittlerweile an einen Händler verkauft.

64. Tag - Das Ende einer Reise, 24km

Das letzte Mal packe ich meine Sachen zusammen. Etwas Wehmut ist dabei. Auch der Österreicher packt. Er will morgen nach Fidschi weiterfliegen und fährt zu einem Campingplatz in Flughafennähe. Wir fahren noch ein Stück zusammen. Trotz des Abratens in verschiedenen Reiseführern ist die Strecke zum Flughafen gut zu fahren. Es geht auf der Mt. Eden Road durch schier endlose Vororte. Kurz hinter der Brücke über den Manukau Harbour verfahre ich mich doch kurz. Die Siedlungen hier wirken recht ärmlich, vor allem Auswanderer aus Polynesien leben hier. Schließlich biege ich auf den George Bolt Memorial Drive ein, meiner letzten Straße zum Flughafen. Mit gemischten Gefühlen setze ich mich noch einmal in den dortigen MacDonalds. Ich habe beschlossen, mein Rad nicht zu verpacken, obwohl es Kartons im Flughafen gibt. Zu meinem Übergepäck von 8kg plus Rad sagt hier keiner etwas. Um 20Uhr heben wir ab.
Auf dem Rückflug habe ich in Seoul 8 Stunden Aufenthalt. Ich bin auf dem erst vor wenigen Tagen eröffneten neuen Flughafen (zur Fußball-WM). Hier ist es viel ruhiger als auf dem alten und es gibt eine Menge Sofas zum schlafen. Auf dem Weiterflug sitzt ein Deutscher neben mir, der gerade aus Tasmanien kommt. Dort soll man noch besser Rad fahren können als in Neuseeland. In Frankfurt werde ich von unfreundlichen Grenzbeamten begrüßt. Ich bin zurück. Mein Rad hat alles heil überstanden. Jetzt noch eine Nachtfahrt mit Umsteigen in Köln und Hamburg, dann komme ich im Morgengrauen zu Hause an. Es ist neblig und feucht.

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