Taupo - Gisborne

43. Tag - Ein Thermalfeld nach dem anderen, 103km

Gleich hinter Taupo warten die ersten Sehenswürdigkeiten. Bei den Huka Falls zwängt sich der Waikato River durch eine enge Felsspalte, das zieht eine Menge Bustouristen an. Ruhiger ist es da schon bei den nahegelegenen "Craters of the Moon", einem nichtkommerziellen Thermalgebiet. Aus großen und kleinen Kratern steigt heißer Dampf auf. Ein Stückchen weiter unterqueren die Rohre des Thermalkraftwerkes Wairakei den Highway. Der Boden scheint hier dünn zu sein. Auf der mäßig befahrenen Hauptstraße durchquere ich Ausläufer des Kaingaroa Forrests, dem größten gepflanzten Wald der Südhalbkugel, eine riesige Monokultur. Nach einem Eis in Golden Springs, erreiche ich Waiotapu, ein kommerzielles Thermalfeld. Für 15 Dollar kann man es besichtigen. Viele dampfende und stinkende Krater in allen Farben, blubbernde Schlammlöcher, Schwefelhöhlen, Sinterterrassen bieten ein beeindruckendes Bild. Ich treffe noch einen deutschen Radfahrer, der hier in der Nähe zelten will, um sich morgen das Waimangu Valley anzuschauen. Ich fahre noch weiter bis Rotorua. Der Highway ist stark befahren und recht hügelig, zum Glück ist der Seitenstreifen breit. In der Stadt steuere ich den Cosy Cottage Campingplatz an, der eine Fußbodenheizung haben soll. Ein heißer und stinkender Bach sorgt für warme Erde. Und mitten auf dem Platz ein brodelndes Schlammloch. In mehreren Hot Pools kann ich mich entspannen. Ein Problem hier ist eine in Massen auftretende Fliegenart, sie ist zwar harmlos, sammeln sich aber zu Tausenden abends vor jeder Lichtquelle und liegen morgens tot überall herum, so dass Fenster und Türen geschlossen gehalten werden müssen.

44. Tag - Ein Tag in der Schwefelstadt, 0km

Überall in Rotorua stinkt und dampft es. Im Stadtpark wurden große Bäume von explodierenden Schlammlöchern völlig mit Erde überzogen, bis in die Spitzen! Ich sehe mir die Government Gardens mit dem alten Badehaus an. Davor spielen in weiß gekleidete Senioren begeistert Bowle. In den riesigen Supermärkten decke ich mich für die nächsten Tage preiswert mit Essen ein. Auf dem Zeltplatz treffe ich den Deutschen von gestern wieder. Das Waimangu Valley war wohl nicht so interessant. Im Gespräch stellt sich heraus, dass wir uns auf der Straße nach Milford begegnet sein müssen und am selben Tag den Tongariro Crossing gewandert sind. Er erzählt, dass der Rettungshubschrauber, den ich dort gesehen habe, einen älteren Mann geholt haben soll, der wohl aber schon tot war.

45. Tag - In den Te Urewera National Park, 112km

Die ersten zwanzig Kilometer fahre ich auf dem Highway 5 wieder zurück, um dann auf dem Highway 38 in Richtung Ostküste zu fahren. Nach dem Abzweig bin ich fast allein auf der Straße. Es geht durch Teile des riesigen Kaingaroa Forests, der zum großen Teil aus Kahlschlagflächen besteht, ziemlich erschreckend. In Murupara, einem abgelegenen Maori-Städtchen, informiere ich mich im Visitor Center über die Zeltmöglichkeiten auf der Strecke bis Ruatahuna. Es soll einige einfache Plätze mit Plumpsklo geben. Ab jetzt ändert sich die Umgebung. Dichter Regenwald und viele Hügel bestimmen die Landschaft. Ein Schild zeigt eine kurvenreiche Strecke für die nächsten 120! Kilometer an. Asphaltierungsarbeiten sind im Gange, doch nach 10km ist gut zu fahrender Gravel angesagt. Die sehr schöne Straße windet sich auf und ab, wenige winzige Siedlungen nur dazwischen. Die Anstiege sind zum Glück nicht sehr steil. Kurz vor Ruatahuna liegt am Whakatane River der Mimiha Bridge Zeltplatz, eine kleine Wiese im Wald mit einer Feuerstelle und dem versprochenen Plumpsklo. Ein paar halbwilde Schweine und Pferde laufen hier rum. Außer einem Angler ist hier kein Mensch. Abends bin ich ganz allein, sitze am Feuer und fühle mich wie ein Abenteurer.

46. Tag - Zur Perle des Nationalparks, 56km

Nach einem herrlichen Bad im Fluss fahre ich los. Nach dem Maori-Dorf Ruatahuna steigt die Straße langsam an und ich erreiche recht gemütlich den Taupeupe Saddle auf 919m. Oben ist es ungemütlich und feucht. Eine lange Abfahrt beginnt, leider ist der Gravel kürzlich aufgeraut worden, so dass es ein ganz schöner Tanz auf dem Rad ist. Nach unzähligen Kurven kommt der Lake Waikaremoana in Sicht, die Perle des Nationalparks. Immer auf und ab folgt die Straße dem See. Und kein Mensch weit und breit, es ist herrlich. Auf dem Motor Camp in Waikaremoana stelle ich mein Zelt auf und erkunde die Umgebung, unter anderem einen riesigen Rata-Tree.

47. Tag - Farmland, Meer und Hot Springs, 109km

Vom Motor Camp bis zum Abfluss des Sees fahre ich noch auf Gravel, leider auch hier teilweise frisch aufgeraut und tief. Am Abfluss kann man gut sehen, dass dieser See ein natürlicher Stausee, entstanden nach einem gewaltigen Erdrutsch, ist. Ich stehe hoch über einem Tal, und, logischerweise, folgt eine Abfahrt. Wenige Kilometer weiter endlich, nach gut 100km, wieder Asphalt. Die Umgebung besteht jetzt aus grünem Farmland. Es folgt ein kurzer weiterer Schotterabschnitt, warum nur abschnittsweise asphaltiert wird, frage ich mich. Viel ist hier nicht los. Ich komme zu einem totgefahrenes Possum (eines von hunderten!), einige Meter weiter faucht mich ein verletzter Greifvogel an. Er wurde wohl beim Mahl angefahren. Eigentlich müsste ich zurückfahren und ihm einen Stein auf den Kopf hauen, um sein Leiden zu beenden. In Wairoa bin ich wieder in einer größeren menschlichen Ansiedlung mit Supermarkt. Ich halte mich nicht lange auf und fahre auf dem Highway 2 nach Morere. Außer einem Hügel zu Beginn ist er brettflach, das Meer kommt man leider kaum zu Gesicht. In Morere gibt es einen Tearoom mit einem kleinen Zeltplatz. Es hat zu regnen begonnen, zu den Hot Springs gegenüber gehe ich nicht. Ein deutsches Ehepaar mit Kleinkind sind die einzigen weiteren Gäste. Sie planen, demnächst nach Neuseeland auszuwandern.

48. Tag - In die östlichste Stadt der Welt, 60km

Gleich hinter dem Ort geht es zur Sache, ein ordentlicher Anstieg macht mich munter. Danach geht es in mehreren Stufen stetig bergauf, bis die Spitze des Wharerata Saddles erreicht ist. Von hier bietet sich ein super Ausblick auf die Poverty Bay und Young Nicks Head. Die restliche Strecke lege ich schnell zurück, die Sonne scheint und es ist flach. Grüne Hügel und später Obst- und Weinplantagen bestimmen die Umgebung. Ich fahre über die letzten Kilometer über den Highway 35 nach Gisborne, er führt am Strand entlang und erspart mir viel Vorstadt. Und am Ende liegt der Campingplatz. Hier treffe ich mehrere Radfahrer, die gerade vom East Cape kommen. Ich erzähle ihnen von meiner Fahrt durch den Te Urewera National Park, diese Möglichkeit war ihnen nicht bekannt. Nach einem Bad im Meer komme ich am MacDonalds nicht vorbei.

 
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