Te Anau - Haast

14. Tag – Ruhetag in Te Anau

Heute soll gar nichts passieren. Ich schlendere durch den Ort, beobachte die Massentouristen auf dem Weg nach Milford, liege faul am See herum und gehe mal wieder in einen richtigen Supermarkt. Mit David und Daniel überlege ich, ob wir morgen nach Milford fahren sollen. Das Wetter ist sich nicht ganz einig, also werden wir morgen früh entscheiden.

15. Tag – Zum Milford Sound, 128km

Das Wetter sieht zwar immer noch nicht absolut gut aus, aber es regnet nicht, also versuchen wir es nach Milford. Wir starten ziemlich früh, um noch vor den Bussen loszukommen. Zunächst geht es wellig am See entlang, dann ins Eglington Valley, jedoch nur sehr langsam aufwärts. Und wir haben Glück, wie von Geisterhand werden vor uns die Wolken, die doch recht tief hängen, weggewischt. So fahren wir teilweise sogar im Sonnenschein. Die Pausen werden von Milliarden von Sandflies vermiest. Da Daniel nicht so schnell ist (er hat nur ein recht einfaches Fahrrad), fahren wir recht gemütlich. Es geht durch schöne Wälder, und erst kurz vor der Divide geht es hoch, aber nicht viel. Dann runter, zwischendurch ein schöner Aussichtspunkt ins Hollyford Valley. Die Straße ist teilweise sehr schmal, und die Berge rücken immer dichter an die Straße heran. Ab jetzt geht es richtig hoch, langgezogen und teilweise steil. Ein herrliches Hochtal, zu den Bergspitzen muss ich den Kopf hochdrehen. So erreichen wir den Homertunnel. Eine deutsche Touristin belohnt uns für die Anstrengung mit einem Bier. Etliche Keas treiben hier ihr Unwesen. Wir halten ein Auto an mit der Bitte, im Tunnel hinter uns herzufahren. Drinnen ist es stockdunkel, kalt, feucht und große Schlaglöcher machen das Fahren nicht ungefährlich. Endlich wieder Licht. Auf der anderen Seite scheint die Sonne. So rasen wir runter bis zur Lodge. Dort finden wir kaum einen Zeltplatz, alles ist rammelvoll. Und Sandflies, extrem viele. Das Zelt muss in Etappen aufgebaut werden, mit voller Regenmontur als Schutz. Und als dann der letzte Bus weg ist, kehrt Ruhe ein. Wir haben den Milford Sound für uns alleine und gehen in sternenklarer Nacht noch mal ans Wasser. Herrlich, auch die Sandflies haben Pause.

16.Tag – Das ganze wieder zurück,121km

Strahlender Sonnenschein. Ich werde Milford wohl nie im Regen sehen. Daniel will eine Bootstour machen und dann mit dem Bus nach Queenstown fahren. David und ich sind unschlüssig. Wir gehen zu den Bowen Falls, ins Café, und hoffen, vielleicht einen Camper zu finden, der uns nach Te Anau mitnimmt. Aber Fehlanzeige. So schwingen wir uns gegen Mittag auf die Räder, in freudiger Erwartung auf die nächsten 17km, die gehen nämlich bergauf. Es wird richtig steil. Dabei brennt die Sonne. Nach knapp 2 Stunden sind wir oben. Fehlt noch der Tunnel. Ein paar Deutsche mit ihrem Auto geben uns Licht. Im Tunnel kann es ein Busfahrer nicht aushalten, er muss überholen. Am Tunnelausgang wieder Keas. Wir kommen jetzt zügig voran, es geht ja fast nur noch abwärts. Nach einer längeren Pause in Knobs Flat kommt leichter Gegenwind auf. Als wir den Lake Te Anau erreichen, geht die Sonne langsam unter. Um 21.00Uhr sind wir zurück und fallen über den Takeaway her. Auf den Zeltplatz schleichen wir uns von hinten herauf und stellen uns zu Andrea und Markus. Es war ein Supertag.

17. Tag – Zuerst ein Schreck, dann durchs Hinterland, 122km

Im Supermarkt fährt mir der Schreck durch alle Glieder – meine Kreditkarte ist weg. Ich zwinge mich ruhig zu bleiben und überlege, wo ich sie zuletzt gebraucht habe. Vor zwei Tagen hier auf dem Zeltplatz. Mit rasendem Herzen fahre ich zurück, und, unglaublich, sie ist noch an der Rezeption. Ich habe sie liegen lassen, und weil Wochenende war, haben sie die Karte noch nicht zur Polizei gebracht. Ich habe fast ein schlechtes Gewissen, denn die letzte Nacht hier haben wir schwarz gezeltet. Völlig erleichtert fahren David und ich Richtung Mavora Lakes. Wir spielen jedoch mit dem Gedanken, bis Queenstown weiterzufahren, da an den Lakes viele Sandflies sein sollen. Am Abzweig verabschieden wir uns von Markus und Andrea, die den Highway nehmen wollen. Durch den Gravel kommen wir ganz gut voran. Radler, die uns entgegen kommen, berichten auch von Sandflies. Wir werden wohl durchfahren. An den Lakes machen wir einen Imbiss, bis hier ging es recht gut. Danach müssen wir auf das Vieh aufpassen, vor allem, dass keine Kälber vor das Rad laufen. Der wird Gravel teilweise sehr tief. Ich fluche auf die Straßenbauer. Trotzdem erreichen wir Walter Peak Station reichlich vor der Abfahrt des Dampfers. Der Steward sagt uns, wo wir bezahlen sollen, aber damit haben wir es nicht so eilig. Eine herrliche Dampferfahrt folgt. In Queenstown treffen wir Daniel wieder.

18. Tag – Ein Tag in der „fun capital“

Heute wird nur gegammelt. Daniel fährt heute schon nach Wanaka. Ich schlendere durch die Gassen von Queenstown, die unzähligen Arts-and-crafts-shops und die allgegenwärtigen bungee-jumping-, river-rafting-, heli-skiing-, jet-boating-, etc. pp. companies. Mir fällt es recht leicht, den völlig überteuerten Angeboten zu widerstehen, den meisten anderen Touristen wohl nicht. Ich genieße lieber ein Bad im Lake Wakatipu.

19. Tag – Der höchste Highway Neuseelands, 86km

David und ich haben heute die höchste Passstraße Neuseelands vor uns, den Crown Saddle mit 1120m ü.d.M. Zunächst jedoch nach Arrowtown, dort besichtigen wir das Chinese Settlement, kleine Hütten aus der Goldgräberzeit. Kurz danach wird es ernst. Der „big zig zag“ führt hinauf auf die Crown Terrace, immer wieder schöne Blicke bis nach Queenstown eröffnen sich. Nach einigen flachen Kilometern folgt der zweite Anstieg zur Passspitze. Hoch über der Kawarau Gorge ist es sehr steil. Und ausgerechnet die steilste Stelle ist nicht asphaltiert. Im tiefen Sand kann ich mich kaum auf dem Fahrrad halten. Von oben rollen wir bis Wanaka nur noch bergab. Die Landschaft hier ist sehr trocken. In Wanaka treffen wir Daniel wieder. Am kleinen Strand ist richtig was los, auch wir genießen das recht warme Wasser.

20. Tag – Weiter als wir wollten, 101km

David will noch bleiben, so fahre ich mit Daniel Richtung Westküste. Entlang des Lake Hawea haben wir gut zu tun, es geht hoch und runter und der Wind bläst von vorn. Leider ist es wolkig. Am Lake Wanaka können wir etwas verschnaufen, es rollt gleichmäßig bergab. In Makaroa machen wir eine Pause im Café, es treffen noch einige andere Radler ein. Ich möchte jedoch nicht auf dem Zeltplatz hier bleiben, da Backpackerbusse diesen als Zwischenstop benutzen, und es deshalb laut werden kann. Wir fahren weiter, kurz vor dem Pass gibt es einige DOC-Plätze. Mittlerweile hat auch der Wind nachgelassen. Es geht durch schöne Wälder. Den Platz in Cameron Flat nehmen wir nicht, er liegt dicht an der Straße. Wir wollen nach Davis Flat, verpassen diesen aber, da er nicht eindeutig ausgeschildert ist (oder wir sind zu blöd?). Es geht langsam aufwärts und ich ahne etwas: die Steigung kenne ich. Und schon stehen wir auf dem Haast Pass. Also heißt unser neues Ziel Pleasant Flat. Nun geht es nur noch abwärts. Schöne Wasserfälle säumen den Weg. Am schön gelegenen Zeltplatz am Haast River genießen wir abends den Blick auf die Berge.

21. Tag – An die West Coast, 66km

Eine kurze Etappe wartet auf uns. Und es ist brettflach. Immer entlang des Haast River führt die Straße durch das Tal, der Regenwald ist dicht. Wir haben strahlenden Sonnenschein und machen einen kurzen Walk zu den Roaring Billy Falls. Dann werden die Berge langsam niedriger, das Tal weiter. Plötzlich rauscht eine Wand an mir vorbei. Ein Reisebus überholt mich so dicht, das er mich fast streift, obwohl kein Gegenverkehr kommt. Den Rest des Weges denke ich mir alle Verwünschungen für den Busfahrer aus, ich bin nur am fluchen. In Haast zelten wir im dortigen Backpacker. Im örtlichen Supermarkt kaufen wir noch das nötigste ein (viel mehr gibt´s hier auch nicht). Dann treffen wir David wieder. Er ist heute direkt von Wanaka gekommen. Ich möchte noch gern zum Strand und fahre nach Haast Beach in Richtung Jackson Bay. Auf dieser Straße hat man das Gefühl, ans Ende der Welt zu fahren. Den Strand habe ich für mich alleine, und das Wasser ist ausreichend temperiert. Abends gehen wir zusammen noch ins Pub, dort ist es sehr voll, so ziemlich alle Farmer der Umgebung scheinen hier zu sein. Nach einem leckeren „basket of fish“ und einem Jug Speight´s geht der Tag zu Ende.

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