Wellington - Taupo

36. Tag - Wellington, 0km

Das Rad bleibt heute stehen. Mit dem Bus fahre ich in die neuseeländische Hauptstadt. Das Wetter ist viel besser geworden. Ich besuche das Te Papa Nationalmuseum, was sich sehr lohnt, es ist ziemlich modern und der Stolz des Landes. Es gibt viele enge Straßen und Cafés, überall ist viel los, richtiges Stadtleben. Und am Wasser kann man herrlich entspannen. Natürlich fahre ich auch mit der Cable Car, von oben bietet sich eine schöne Aussicht. Für morgen kaufe ich ein Busticket nach Wanganui.

37. Tag - Busfahrt nach Wanganui, 18km

Ich muss morgens in die Stadt, also wieder entlang des Highways. In dieser Richtung gibt es wenigstens einen Radweg, so ist es nicht so schlimm. Der Bus fährt von einem Bahnsteig des Bahnhofs ab. Der Highway 1 ab Wellington ist vielbefahren und teilweise eng, ich bin froh, den Bus genommen zu haben. In Palmerston North machen wir eine längere Pause. Die Landschaft ist hier eher langweilig (Zitat Pedallers Paradise: "flat boring fertile farming country"). In Wanganui zelte ich im Tamara´s Backpacker, sehr zu empfehlen. Ich gehe auf den Durie Hill, von oben kann ich Mt. Ruapehu und Mt. Taranaki sehen. Abwärts geht es mit einem Fahrstuhl mitten im Berg und einem 200m langen Tunnel aus dem Berg heraus, auch Elevator Hill genannt.

38. Tag - Whanganui River Road, 122km

Mit gut gefüllten Vorratstaschen mache ich mich auf den Weg zum ersten Highlight der Nordinsel: der Whanganui River Road. Nach einem Anstieg habe ich einen super Blick über das grüne Flusstal. Eine schmale Straße folgt dem Fluss, nur wenige Siedlungen mit Namen großer Städte zeugen von Menschen. Dies ist geschichtsträchtiger Boden. In Korinti sehe ich mein erstes richtiges Marae. Nun hört auch der Asphalt auf und der Busch wird immer dichter. Auf teilweise sehr schlechtem Gravel komme ich nur langsam voran, die Landschaft entschädigt mich jedoch voll. Es ist sehr heiß und staubig. An einem Anstieg bekomme ich aus einem Auto eine Cola gereicht (eisgekühlt!), Leistung wird hier anerkannt. In Pipiriki mache ich eine ordentliche Pause. Eigentlich wollte ich hier bleiben, doch es zieht mich weiter. Nun geht es stetig bergauf, die Sonne immer im Rücken kurbele ich aus dem Tal heraus. Oben dann Asphalt, und am Ende des Waldes bin ich überwältigt. Vor mir liegt das zentrale Plateau mit den Vulkanen zum greifen nahe. Wie im Rausch fahre ich nach Raetihi, finde irgendwie den Zeltplatz nicht. Ich rolle einfach weiter geradeaus bis Ohakune, immer den riesigen Mt. Ruapehu im Blick. Der Campingplatz in Ohakune wird von einem ausgewanderten Deutschen geleitet. Ziemlich erschöpft falle ich ins Zelt.

Whanganui River Road
39. Tag - In das vulkanische Zentrum, 53km

Heute sind die Berge verhangen. So freue ich mich, schon gestern bis hier gefahren zu sein. Das Ziel, Whakapapa, ist nicht sehr weit entfernt, aber um einiges höher gelegen. Immer entlang der Vulkanflanke fahre ich über das Plateau, Nur am Makatote Viaduct muss ich kräftig klettern. Das Gelände wird immer offener. Ab National Park geht es deutlicher bergauf, kaum sichtbar, aber fühlbar. Die letzten Kilometer bis Whakapapa habe ich das Gefühl, auf der Straße zu kleben. Der Zeltplatz liegt in einem Lavaabflussgebiet, mal sehen! Ich wandere zu den Silica Rapids, und kurzzeitig zeigt sich sogar der Ruapehu wolkenlos. Abends traue ich meinen Augen nicht - Daniel, der Schweizer trifft ein. Wir erzählen bis spät abends.

40. Tag - Dauerregen und eine kleine Wanderung, 0km

Das Wetter hat sich deutlich verschlechtert, sprich, es gießt in Strömen. Daniel und ich vertreiben uns die Zeit im Visitor Information Center, dort gibt es Interessantes zu den Vulkanen zu sehen. Und das Wetter soll morgen schon besser werden. Daniel will den Northern Circuit gehen, trotz des Regens begleite ich ihn ein Stück. Nach einer Weile trennen sich die Wege. Er zur Mangatepopo Hut, ich zu den Taranaki Falls. Den Weg habe ich ganz alleine. Die Wasserfälle sind nicht sonderlich spektakulär. Ich muss ziemlich schnell gehen, um in meinen Sandalen bei dem Regen nicht zu frieren. Ziemlich durchnässt erreiche ich den Zeltplatz. Die Wetterprognose für morgen wird immer besser, vielleicht sollte ich morgen den Tongariro Crossing wagen. Doch die Rangerin rät, erst morgen früh zu entscheiden. Bis in die Nacht regnet es weiter.

41. Tag - Traumwanderung über Vulkane, 0km

Früh morgens, ich traue meinen Augen nicht - Sonnenschein! Ich kaufe ein Busticket, packe ordentlich Essen zusammen und dann geht es auch schon los. Mit einem klapperigen Bus fahre ich zum Startpunkt des Tongariro Crossing, mit mir viele andere. Nach einer kurzen Sicherheitsinformation kann die Wanderung losgehen. Ich gehe relativ zügig, da ich eventuell auf den Mt. Ngauruhoe will. Nach dem ersten Anstieg zum South Crater wage ich den Aufstieg. Vor mir kann ich eine Handvoll anderer Wanderer sehen, die auch hoch wollen. Auf den Berg führt kein Weg, er ist ein gigantischer Haufen loses Lavageröll. Nur ein festerer Grat erleichtert die Kletterei. Auf halben Weg sehe ich Daniel vor mir, mit ihm habe ich insgeheim gerechnet. Nach gut einer Stunde sind wir oben. Wahnsinn. Blauer Himmel, super Sicht bis zum Mt. Taranaki, zum Pazifik und über den Lake Taupo. An aufsteigendem Dampf wärmen wir uns. Der Abstieg ist ein Riesenspaß, im tiefen Geröll springen wir abwärts. Durch den Abstecher sind die meisten Wanderer weit vor uns, und wir haben den Track für uns allein. Wie in einer Mondlandschaft geht es von Crater zu Crater. Stinkende, unglaubliche türkisfarbene kleine Seen säumen den Weg. Der Weg zur Ketetahi Hut führt an die Nordflanke des Tongariro. Ich kann meine morgige Strecke beobachten. In der Hütte gönnen wir uns bei warmem Sonnenschein einen Kaffee. Plötzlich kommt ein Rettungshubschrauber. Bei den Hot Springs wird jemand geborgen und abtransportiert. Mehr erfahren wir nicht. Daniel bleibt dann in der Hütte, während ich bergab muss, um den letzten Bus zu kriegen. Zunächst über Grasebenen verschwindet der Weg bald im dichten Busch, man weiß nicht mehr, wo man ist. Leider wurde der Weg durch eine Vielzahl von Treppen "verbessert", die Knie werden es mir danken. Nach fast zwei Stunden bin ich an der Ketetahi Road. Ein umgebauter Truck kommt bald und fährt die letzten Wanderer zurück nach Whakapapa. Das war echt ein Traumtag. Ziemlich platt falle ich ins mittlerweile wieder trockene Zelt.

42. Tag - Von Vulkanen zu einem riesigen Kratersee, 105km

Die Berge sind wieder in Wolken gehüllt. Ich habe gestern wohl riesiges Glück gehabt. Vor der Abfahrt unterhalte ich mich mit einigen Schweizer Radlern, zwei habe ich in Christchurch schon getroffen. Dann geht es los. Rasend schnell bergab, ich merke jetzt erst wie steil die Straße nach Whakapapa ist. Weiter rolle ich über das Zentralplateau. Noch ein Blick zu den Ketetahi Hot Springs. Nach dem Lake Rotoaira folgt ein steiler Anstieg zum Te Ponanga Saddle. Kurz hinter der Passhöhe gibt es einen schönen Aussichtspunkt. Ab Turangi folgt die Straße dem Lake Taupo, einem Kratersee, den Ausbruch soll man bis Europa gemerkt haben! Und leider auch dem Highway 1, einer vielbefahrenen Rennstrecke. An einigen Stellen ist es sehr eng. Nur hinter mich bringen, denke ich. An einem Rastplatz lädt mich ein englisches Ehepaar zu Kaffee und Pavlova ein. In Taupo quartiere ich mich auf dem Top 10 Platz ein, mit Hot Pools inklusive. Und endlich kann ich wieder in einem riesigen Supermarkt einkaufen.

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