Westport - Wellington

29. Tag – Durch die Buller Gorge, 104km

Kurz vor dem losfahren ein Schock: Ich bekomme das Schloss von meinem Rad nicht auf, der Zylinder ist eine Vierteldrehung gegenüber einer Aussparung verdreht und ich kann den Schlüssel nicht einführen. Ich weiß nicht, ob jemand mein Rad klauen wollte, auf jeden Fall muss etwas passieren. Ich gehe meine Optionen durch, es ist Samstag, zur Not müsste ich in eine Werkstatt und das Schloss knacken lassen. aber ich probiere noch eine Weile. An einem harten Stein feile ich die Nut vom Schlüssel ab! Und es funktioniert. Dann will ich nur noch weg. Das Etappenprofil heute ist einfach - es geht tendenziell bergauf. Die Straße schlängelt sich entlang des Buller Rivers durch ein stellenweise sehr enges Tal. Bei Hawk´s Crag ist der Highway direkt in eine Felswand gehauen. In Lyell (das ist kein Ort, nur eine Wiese zum rasten und einem Walk zu alten Friedhofsresten) verderben Scharen von Sandflies eine gemütliche Rast. Einige Kilometer weiter, hoch über der Upper Buller Gorge, sind deutlich weniger Plagegeister. Auf der anderen Flussseite sieht man noch einen gewaltigen Erdrutsch nach einem großen Erdbeben hier vor etlichen Jahren. Kurz vor Murchison findet gerade ein Wildwasserkanurennen statt. Und der Zeltplatz ist brechend voll von Fahrern, hier wird es wohl eine ordentliche Party heute Nacht geben.

30. Tag – An den Goldstrand, 147km

Die Party gestern fand zum Glück nicht auf dem Zeltplatz statt, so dass es nur laut wurde als die Massen zurückkehrten. Heute will ich unbedingt bis Kaiteriteri kommen, schließlich habe ich Geburtstag, und da will ich am Strand liegen. Die Kilometer bis Kawatiri Junction ziehen sich jedoch endlos hin, das es zäh bergauf geht. Dann noch ein letzter Anstieg zum Hope Saddle, und die Hauptaufgabe des Tages ist geschafft. Von oben bietet sich eine herrlich Rundumsicht. Eine rauschende und lange Abfahrt folgt. In Tapawera mache ich einen längeren Stopp. Es ist sehr heiß, Eis muss her. Weiter geht es auf sehr ruhiger Straße entlang des Motueka River, nur ein kurzer Anstieg dazwischen. Ich fahre durch abgeschiedene Orte, wo wohl noch Alt-Hippies wohnen. In Motueka fülle ich noch einmal meine Vorräte auf, dann zieht es mich nach Kaiteriteri. Dort lege ich mich an die kleine Bucht, wo ich schon vor zwei Jahren gefaulenzt habe. Ich wollte schon immer mal meinen Geburtstag am Strand feiern.

31. Tag - Faul am Strand

Den ganzen Tag liege ich faul am Strand und gehe schwimmen. Ich schreibe einige Karten, lese und unterhalte mich mit einem neuseeländischen Radlerpärchen, die neben mir zelten. Sein Knie macht Probleme, da wollen sie vor dem Hope Saddle pausieren. Außerdem sorgt eine geführte deutsche Reisegruppe von etwa 20 Leuten für Unmut, da sie ständig die Küche und den Essenraum für sich beanspruchen.

32. Tag - Immer noch faul am Strand

Heute mache ich nichts anderes als gestern. Die Neuseeländer reisen ab, hoffentlich hält das Knie. Ich reinige ausgiebig mein Rad, wechsle die Reifen von vorne auf hinten und umgekehrt. Und schaufle Riesenportionen Eis in mich hinein. Die Reisegruppe erfährt abends von ihrem Führer, welche spannenden Orte sie noch sehen werden und ob sie Ausflüge buchen sollten - Viel Spaß!

33. Tag - Zur Sunshine Capital Nelson, 82km

Nach den Faulenzertagen ist es mal wieder schön, auf dem Rad zu sitzen. Um dem Verkehr auf dem Highway zu entgehen, fahre ich die Inlandstrecke über Lower und Upper Moutere. Die Straße führt durch ein ausgedehntes Obstanbaugebiet, wo die Ortschaften den Namen von Apfelsorten haben - z.B. Braeburn. Auch einige Kommunen gibt es hier noch. Die letzten Kilometer bis Nelson auf dem Highway sind stressiger bei viel Verkehr. In Nelson wollte ich eigentlich in das Paradiso, ein Backpacker mit Zeltmöglichkeiten. Der ist aber sehr voll, sieht nach Kiwi Experience oder so ähnlich aus. So fahre ich doch zum riesigen Tahuna Beach Motor Camp. Hier treffe ich noch etliche andere Radfahrer. In der Stadt besorge ich mir ein Ticket für die Fähre ab Picton und es gibt einen McDonalds!

34. Tag - Die letzten Südinsel-Kilometer, 118km

Zunächst noch einige Kilometer am Wasser entlang, dreht die Straße dann ins Inland über zwei beachtliche Sättel. Der erste ist zwar hoch, aber nicht sehr steil. Ich sehe noch die Spuren des Erdrutsches vor zwei Jahren. Auf der Abfahrt gehe ich auf Jagd nach einem Geschwindigkeitsrekord und schaffe knapp 80km/h. Der zweite Anstieg zum Rai Saddle ist am Ende sehr steil. Die Straße führt die ganze Zeit durch Holzplantagen, überall Kahlschlag. Danach rollt es zügig über Pelorus Bridge nach Havelock, der Wind meint es gut mit mir. Auf dem Hügel hinter Havelock mache ich ein ordentliches Picknick und genieße die Aussicht über die Marlborough Sounds. Entlang des Queen Charlotte Drives kann man einfach nur entspannen. Dichter Busch, kleine Buchten und Orte wechseln sich ab, dabei geht es munter auf und ab. Schließlich erreiche ich Picton, den Fährhafen der Südinsel.

35. Tag - Fahrt mit der Interislander, 26km

Vormittags habe ich noch etwas Zeit, die Fähre geht erst um 13Uhr. Leider ist das Wetter nicht so gut, dunkle Wolken bestimmen den Himmel. Ich verstaue mein Rad im Bauch des Schiffes, dann soll es endlich losgehen. Aber nichts tut sich. Die nachfolgenden Abfahrten verspäten sich, also müssen wir auf den Zug aus Christchurch warten. Nach einer Stunde setzen wir uns endlich in Bewegung. Ich gehe auf das Oberdeck und genieße die Fjordlandschaft. Auf der offenen Cook Strait trifft uns der Sturm mit voller Wucht und das Schiff wird ordentlich durchgeschaukelt. Einigen Passagieren ist das nicht so recht. Ich treffe ein Schweizer Pärchen, das ich von der Westküste kenne. Sie sind jetzt ohne Rad unterwegs. In Wellington fahre ich direkt in Rosemere´s Backpacker, das David mir empfohlen hatte, es ist das einzige mit Zeltplätzen. Leider ist es total voll. So muss ich doch raus nach Lower Hutt zum Campingplatz, da in der Stadt alles belegt ist. Zu allem Überfluss ist ein Rugbyspiel heute abend und die Straße ist brechend voll. Ich fahre auf einer vierspurigen Rennstrecke aus der Stadt. Auf dem Zeltplatz ist nicht viel los. Kein guter Start auf der Nordinsel!

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